Mabat – Der Blick in die Zukunft – von Aron Schuster

Die Sozialwirtschaft erlebt im Zuge der Digitalisierung einen technologischen Umbruch, der zu großen Veränderungen führt: Durch neue Kommunikationsformen und neue Geschäftsmodelle berührt der digitale Wandel die Menschen in nahezu allen Lebensbereichen. Diese neue Arbeits- und Konsumwelt eröffnet dem Einzelnen viele neue Chancen – birgt für viele Menschen aber auch Unsicherheiten und Ängste. Die ZWST freut sich, durch die Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  (BMFSFJ) und in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), auf diese Entwicklungen reagieren zu können.

Insbesondere auch mit Blick auf die deutsch-jüdische Geschichte kann diesem Projekt nicht genug Bedeutung zugemessen werden. Wurde die ZWST nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst wiedergegründet, um den Verbliebenen die Ausreise zu ermöglichen, lebte die jüdische Gemeinschaft in Deutschland noch bis in die späten achtziger Jahre „auf gepackten Koffern“. Die ZWST wurde mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der einhergehenden Integration der fast 200.000 sogenannten jüdischen Kontingentflüchtlinge mit neuen Herausforderungen konfrontiert – die erfolgreich gemeistert wurden. „Mabat“ bedeutet auf Hebräisch „Blick“, eben weil wir das heute neugewonnene Selbstverständnis in der deutsch-jüdischen Geschichte auch gestalterisch mit einem Blick in die Zukunft zum Ausdruck bringen möchten.

Mabat soll den Austausch mit den vielen Partnergemeinden und -organisationen der ZWST koordinieren, um Prioritäten bei Investitionen in digitale Infrastruktur und Weiterbildungsmaßnahmen möglichst praxisnah zu setzen. Unseren Mitgliedsverbänden, den Teilnehmenden an unseren Programmen und auch uns selbst soll so die Möglichkeit eingeräumt werden, direkter an der digitalen Transformation teilzuhaben und das Thema auch strukturell anzugehen.

Auch hier ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinschaft zu hören. Laut einer 2018 veröffentlichen Studie der Europäischen Grundrechteagentur sehen 85% der in Deutschland lebenden Juden Antisemitismus als ein Problem an – ein Anstieg von 23% in nur fünf Jahren. Gleichzeitig sehen 89% der Jüdinnen und Juden in Deutschland dieses Problem vor allem online. Diese Zahlen verstehen wir auch als Handlungsauftrag und werden mit dem Thema des „Online-Hasses“ unser Projekt um eine netzpolitische Dimension erweitern.

Im Vordergrund dieser Initiative steht, und das zeichnet alle Verbände der BAGFW gemeinsam aus, immer zwingend der Mensch. Mit unserem sozialräumlichen Schwerpunkt wollen wir sicherstellen, dass niemand übergangen wird, wenn Fragen zur digitalen Transformation beantwortet werden. Wir wollen sicherstellen, dass Chancen von allen als solche verstanden und genutzt werden können.

Deshalb ist es uns wichtig, Ideen und Vorschläge nicht bloß zu berücksichtigen, sondern in den Mittelpunkt unserer strategischen Vorgehensweise zu stellen. Hierfür haben wir einen Ideenwettbewerb ins Leben gerufen. Im Rahmen des Wettbewerbes können Anregungen nicht nur direkt an die ZWST getragen werden, sondern auch als Projekte lokal in die Praxis umgesetzt werden. Über ein parallel laufendes Mikroförderungsprogramm soll ein neues Bewusstsein für das Thema in unseren Verbänden geschärft werden.

Zu Dank sind wir der Arbeit der BAGFW und des BMFSFJ verpflichtet, mit Spannung richten wir nun den Blick nach vorne! Aron Schuster, Direktor der ZWST, Benny Fischer, Stabsstelle Digitale Transformation

Autoren:

Aron Schuster, Direktor der ZWST in Zusammenarbeit mit Benny Fischer, Stabsstelle Digitale Transformation

Foto: Alexander Beygang