Ideenwerkstatt der Diakonie für Jugend-, Sucht- und Wohnunglosenhilfe

Die Diakonie Deutschland hat im Rahmen des vom BMFSFJ geförderten Projektes „Management und Innovation“ zu einer Ideenwerkstatt eingeladen. Das Treffen war aus der Sicht aller Beteiligten ein großer Erfolg, denn es machte Spaß, in kurzer Zeit gemeinsam viele neue Ideen zu entwickeln. Am 17. Juni 2019 arbeiteten 35 Personen im „Baumhaus“ im Berliner Wedding an digitalen Lösungen in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Suchtselbsthilfe und Wohnungslosenhilfe.

Einige Teilnehmer*innen kamen aus diakonischen Einrichtungen und sind dort fach- und hierarchieübergreifend tätig, etwa für IT oder für Innovation. Andere sind ehrenamtlich in den betreffenden Handlungsfeldern engagiert. Auch Betroffene und Mitarbeiter in Sozialen Start-ups waren mit dabei.

Aus den Ideen und Interessenschwerpunkten, die die Teilnehmer*innen bei der Anmeldung mitgeteilt hatten, waren vorab Fragestellungen formuliert worden. Angeleitet wurden die Gruppen von Moderator*innen des Innovations-Beraters zero360. Zu Beginn der Werkstatt suchten sich die Teilnehmer*innen jeweils eine Fragestellung aus. Dann wurde in sieben Teams gearbeitet, die am Nachmittag ihre Ideen für digitale Lösungen präsentierten.

Hier einige Beispiele:

1. „Ready for life“: Eine App für Kinder und Jugendliche im Alter von 14-25 Jahren, mit der sie jenseits des betreuten Wohnens mehr Selbständigkeit in ihrer Umgebung erlangen können. Zum Beispiel können sie nach Angeboten in ihrer unmittelbaren Umgebung suchen. Dabei werden bereits vorhandene Webinhalte und neue Angebote verbunden, personalisiert durch Nutzer*innen/Anbieter*innen. Eine Kategorie war dabei: „Was passiert, wenn ich mein betreutes Umfeld eigenständig verlasse?“. Der Fokus: Unterstützung der Verselbstständigung.

2. „Appstinenz“: Eine App für suchtkranke Menschen und deren Angehörige. Der Chat schafft maßgeschneiderte, schnelle Antworten auf Fragen, inkl. eines Sucht-Self-Checks.

3. Eine App, um Wohnungslose und Wohnungsanbieter*innen mit Vorbehalten zusammen zu bringen. Dazu kommt ein Online- und Offline-Brettspiel, mit dem die Lebenssituation Wohnungsloser kennengelernt werden kann.

4. „Freiwillig verbunden“: Eine App für Freiwillige, Träger (Einsatzstellen) im FSJ und BFD, die einen niedrigschwelligen Austausch unter Seminargruppen und Pädagog*innen ermöglicht.

5. „Uni-Mobil“: Niedrigschwelliger Zugang zur Mobilen Universität für Wohnungslose.

 

Welche Ideen wurden weiter bearbeitet?

Nach der Werkstatt interessierten sich fünf Teams für die Weiterförderung der Arbeit in einem Innovationslabor. Aus diesen wurden anhand dreier Kriterien – Nutzer*innenorientierung, Innovationsgrad, Relevanz für Kernprozesse im Sozialwesen – drei Ideen ausgewählt. In die Weiterentwicklung konnten schließlich im Herbst 2019 die folgenden zwei gehen:

1. „What‘s up“

Digitalisierung von Kinder- und Jugendeinrichtungen und die Ausstattung mit eigenen modernen Websites und Apps. Die digitale Anwendung Tremaze soll weiterentwickelt und an die Bedürfnisse von heilpädagogischen Tagesgruppen und ähnlichen Einrichtungen angepasst werden. Ziel ist es, einen DSGVO-konformen, leicht verständlichen und innovativen Kommunikationskanal zwischen Einrichtungen und Eltern zu schaffen, über welchen Terminabsprachen, Chats und Einblicke in die alltägliche Arbeit und vieles Weiteres abgewickelt werden können. Das Entwicklungsteam hat von August bis Oktober im PIKSL Labor in Düsseldorf gearbeitet.

2. „Wohnung-weg.de“

Ausbau des Webangebotes für Wohnungslose, die mit drei Klicks Hilfe finden zu Beratung, Schlafangeboten und Essensausgaben. Erarbeiten einer Online-Kommunikations-Strategie; Erarbeiten der Prozesse zum Onboarding von Angeboten und dem damit verbundenem Data-Management; Erweiterung um Vernetzungsmöglichkeiten und Teilhabe von Betroffenen; Erweiterung um tagesaktuelle Informationen und Strategie zur schnelleren Verbreitung von Informationen unter Wohnungslosen. Die Idee wurde von September bis November im IntraLab in Darmstadt weiterentwickelt und getestet.

Die Entwicklungsteams, die sich in der Ideenwerkstatt gefunden hatten, konnten nach einem zweitägigen Kick-off in drei Workshop-Sprints ihre digitalen Konzepte weiterentwickeln.

Nun liegen gereifte Prototypen vor und die Teams stehen vor der Aufgabe, die Finanzierung der Umsetzung  in nutzbare Angebote sicherzustellen.

Ansprechpartnerin: Amanda Lindner, Diakonie Deutschland

amanda.lindner@diakonie.de, T. 030 65211 1995