Projekt DRK

Digitalisierung ganzheitlich gestalten – DRK-Kompetenzzentren Digitalisierung

Beschreibung:  

Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft mit hoher Entwicklungsdynamik. Digitale Technologien prägen zunehmend alle Lebensbereiche, diese Veränderungen prägen auch die Freie Wohlfahrtspflege. Die digitale Gesellschaft zeichnet sich nicht nur durch den Einsatz digitaler Technik in allen Lebensbereichen aus, sondern auch durch die wachsende Bedeutung von Datenerhebung, Datenverarbeitung und Datenanalyse für die Erfassung und Beantwortung gesellschaftlicher Herausforderungen. Es gilt, die durch die Digitalisierung angestoßenen tiefgreifenden Veränderungen im sozialen Sektor aktiv aufzugreifen und am sozialen Ausgleich orientiert mitzugestalten. 

Die Covid-19-Pandemie hat diesem Transformationsprozess einen zusätzlichen Auftrieb gegeben. Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass Organisationen einem grundlegenden Wandel unterliegen und sich an neue Gegebenheiten anpassen müssen. Sie erhöht die Anforderungen an die gesellschaftlichen Akteure, die digitale Gesellschaft menschengerecht und sozial zu gestalten. Exklusion und Mangel an digitaler Teilhabe ist an vielen Stellen unverkennbar deutlich geworden. Den vielen Chancen der Digitalisierung stehen Risiken sozialer Spaltung gegenüber. Das DRK als Wohlfahrtsverband hat vor diesem Hintergrund die Aufgabe, digitale Teilhabe – insbesondere der Verletzlichsten der Gesellschaft – unmittelbar durch konkrete Angebote und mittelbar durch die Fähigkeit einer erhöhten Responsivität gegenüber den sich verändernden Bedürfnissen zu ermöglichen.    

Die Kompetenzzentren Digitalisierung verstehen sich als DRK-interne Beratungseinheit rund um das Thema Digitalisierung. Im Februar und Mai 2019 wurden in Berlin, Magdeburg (Ost), Münster (West) und München (Süd) die Kompetenzzentren angesiedelt. Die Mitarbeitenden unterstützen als interne Beraterinnen und Berater die Gliederungen des DRK bedarfsorientiert bei den konkreten Herausforderungen der digitalen Transformation durch Beratung, Vernetzung und Wissenstransfer. Ziel ist es, durch diese Arbeit einen verbandlichen Personal- und Organisationsentwicklungsprozess in Gang zu setzen und einen höheren digitalen Reifegrad des Verbandes zu erreichen. Die Ansiedelung der Beraterinnen und Berater in drei Landesverbänden ermöglichte in den vergangenen zwei Jahren eine nahe an den Wohlfahrtsstrukturen vor Ort ausgerichtete Beratung und Projektbegleitung.  Auf diese Weise konnte mit neuen Ansätzen und Methoden experimentiert und Pilotprojekte mit Skalierungspotential umgesetzt werden. Zu Beginn der Arbeit in den Kompetenzzentren lag der Fokus vor allem auf der Beratung und Begleitung einzelner Digitalisierungsprojekte, nun steht insbesondere die interne Organisationsentwicklung im Fokus. Zu diesem Zweck wurden 2020 zwei Netzwerke gebildet, durch die die Skalierung von Pilotprojekten über die drei Standorte hinweg sowie eine gesamtverbandliche enge Vernetzung und Zusammenarbeit von Innovationsakteuren und -akteurinnen realisiert werden soll. 

Im Mittelpunkt aller Tätigkeiten der Kompetenzzentren und in den Netzwerken steht das Ziel, die digitale Transformation am sozialen Ausgleich orientiert zu gestalten sowie im DRK ein Ökosystem für soziale Innovationen zu schaffen. Die Kompetenzzentren richten sich primär an Fach- und Führungskräfte des DRK und stellen breit angelegte Unterstützungsangebote für diese bereit. Darüber hinaus wird die Kollaboration mit anderen (gemeinnützigen) Akteurinnen und Akteuren im Bereich der digitalen Transformation in und außerhalb der Wohlfahrt gefördert. 

Ergebnisse:  

Ein wichtiger Leitgedanke in der Arbeit der Kompetenzzentren ist die Transparenz bei der Vorgehensweise und Bereitstellung der Ergebnisse aus Innovations- und Digitalprojekten innerhalb des eigenen Verbands, aber insbesondere auch darüber hinaus. Dies soll zu Synergieeffekten, Best Practice-Austausch und einer engeren verbandsinternen sowie -übergreifenden Zusammenarbeit führen. Über die Arbeit der Kompetenzzentren wird regelmäßig auf Twitter, im Blog der DRK Wohlfahrt sowie auf der Website berichtet. Insbesondere auf der Website werden die umgesetzten Projekte der Kompetenzzentren detailgenau aufbereitet, so dass dort ein umfassender Einblick in die bereits erfolgten Initiativen möglich ist. Nachfolgend werden exemplarisch einige der aktuellen Maßnahmen und Projekte vorgestellt: 

Digitalstrategie und Digitalcheck: 2020 wurden mehrere DRK-Gliederungen bei der Entwicklung einer eigenen Digitalstrategie begleitet. Dabei wurden verschiedene Formate getestet, etwa eine enge Begleitung eines Kreisverbands die gesamte Strategieentwicklung inklusive Kompetenzvermittlung hindurch, oder auch in Form einer gemeinsamen Workshopreihe für mehrere Gliederungen. Die Erfahrungen aus diesen Piloten wurden aufbereitet und in einem Handbuch mit einer praxisnahen Anleitung und unterstützenden Methoden zusammengefasst, das nun online zur Verfügung steht. Das Handbuch führt strukturiert und systematisch durch den schrittweisen Prozess und bietet DRK-Gliederungen und anderen Interessierten eine Hilfestellung für den eigenen Weg hin zu einer nachhaltigen Digitalstrategie. 

Zudem wurde ein Digital-Check entwickelt, in dem DRK-Gliederungen, andere Wohlfahrtsverbände oder interessierte Organisationen darüber hinaus ihren digitalen Reifegrad erheben können. Dieser kann als hilfreiches Tool in der ersten Phase des Strategieprozesses, der Ist-Analyse, eingesetzt werden. Auch außerhalb der Strategieentwicklung liefert der Digitalcheck Interessierten Erkenntnisse über den digitalen Reifegrad der eigenen Organisation und damit Anknüpfungspunkte für weitere mögliche Handlungsschritte. 

Personalentwicklung: Das Kompetenzzentrum Süd pilotierte 2019 gemeinsam mit der Personalentwicklung im Bayerischen Roten Kreuz ein digitales Mentoringprogramm für (weibliche) Nachwuchsführungskräfte. Tandems aus DRK-Führungskräften und Nachwuchskräften mit Führungsmotivation durchliefen über mehrere Monate hinweg auf einer digitalen Plattform E-Learning-Materialien zur Kompetenzentwicklung und Selbstreflexion rund um das Thema Führung. Durch die bayernweite Einbindung von Mitarbeitenden aus verschiedenen Kreisverbänden und Einrichtungen wurden flächenübergreifender Wissenstransfer und Kompetenzförderung gefördert. Nach erfolgreicher Umsetzung des Piloten wurde das Programm nun auf Basis der Evaluationsergebnisse und mit starkem nutzendenzentriertem Fokus überarbeitet und als rotkreuzspezifisches Mentoringprogramm für die Skalierung im Gesamtverband vorbereitet, die in Kürze startet. 

Kita: Im Kompetenzzentrum West in Westfalen-Lippe liegt seit dem Start der Kompetenzzentren 2019 ein großer Schwerpunkt auf dem Fachbereich Kita. Verschiedene Kitas wurden bei der Auswahl von Software begleitet. Daraus ist ein Leitfaden zur Anschaffung von Kita-Software entstanden, der die notwendigen Schritte beleuchtet. Im Zuge der Pandemie wurde zudem eine Linksammlung mit vielen wertvollen Tipps und Seiten für die digitale Kita erstellt, etwa zum Umgang mit Kontaktbeschränkungen und mit Tipps für die Kinderbetreuung zu Hause. Neben den Maßnahmen im Bereich der Digitalisierung von administrativen Abläufen sensibilisieren die Kompetenzzentren auch für digitale Lösungen in der Arbeit mit Kindern. So wurde im Kompetenzzentrum West in enger Zusammenarbeit mit dem Kita-Fachbereich im Landesverband Westfalen-Lippe ein Konzept für den Verleih von Medienpädagogik-Boxen ausgearbeitet. Ab April 2021 startet nun im Landesverband Westfalen-Lippe und dem Bayerischen Roten Kreuz der Verleih von Boxen, in denen verschiedene Ton- und Videoprodukte sowie Robotik- und Programmiergeräte für Kinder enthalten sind, an Kitas in den beiden Landesverbänden. 

Innovationsnetzwerke: Seit Frühjahr 2020 gibt es zwei Netzwerke zu Innovation und Digitalisierung im Deutschen Roten Kreuz: Das Netzwerk Digitale Wohlfahrt ist ein Netzwerk aus 15 Ansprechpersonen in  DRK-Landesverbänden. Im Mittelpunkt steht das Ziel, in den gesamtverbandlichen Austausch zu Digitalisierung zu treten und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die Social Innovation Community [sic] versteht sich als Graswurzelnetzwerk und hat mittlerweile mehr als 100 Mitglieder aus dem Ehren- und Hauptamt, aus verschiedensten Hierarchie- und Gliederungsebenen. Hier wird Innovation in einem sicheren Rahmen ausprobiert und es werden Projekte initiiert, die über das Netzwerk wiederum in die Breite des Verbands gestreut werden können. Voneinander und miteinander lernen ist der Fokus beider Netzwerke. Wo möglich, werden über die Kompetenzzentren Synergien zwischen beiden Innovationsnetzwerken hergestellt. 

Onlineberatung: Insbesondere das vergangene Jahr und die Entwicklungen rund um die Covid-19-Pandemie haben gezeigt, dass insbesondere die Online-Beratung ein dringendes Thema für viele Beratungsfelder im DRK darstellt, es aber gleichzeitig einen großen Bedarf an Unterstützung bei der Einführung und nach Kompetenzaufbau gibt. Hier wird an die erfolgreichen Ansätze und 5-jährigen Erfahrungen aus der Online-Beratung für Zugewanderte im Zuge des Projekts mbeon angeknüpft. Die Kompetenzzentren stehen interessierten DRK-Gliederungen zur Verfügung, um fachlich bei der Einführung der Onlineberatung zu begleiten und bieten beispielsweise Workshops zur Befähigung an.

Weitere digitale Angebote: 2020 wurde von den Kompetenzzentren eine Avatar-Digitalkonferenz im virtuellen 3D-Raum ausgetragen. Unter Anwendung dieser Technologie konnten sich Ehren- und Hauptamtliche des DRK zu Digitalisierungsthemen austauschen und gleichzeitig die virtuelle Avatar-Welt kennenlernen. Im Zuge der Pandemie wurde zudem ein erhöhter Bedarf an digitalen Hilfestellungen festgestellt, so dass die Kompetenzzentren hier passgenaue Angebote entwickelten. Die digitale Toolbox umfasst die Bandbreite an Tools, die im digitalen Raum zur Anwendung kommen. Der Methodenbaukasten für den Wandel wurde um Methoden für den digitalen Raum und eine Anleitung für die Planung und Umsetzung von digitalen und hybriden Veranstaltungen ergänzt. Außerdem wurde eine Fördermitteldatenbank zu Digitalisierung aufgesetzt, die laufend ergänzt wird. All diese Tools stehen frei auf der Webseite der Kompetenzzentren zur Verfügung. 

Weitere Einblicke in die vielseitigen Projekte der Kompetenzzentren finden sich auf der Website

Wirkung:  

Die Ausrichtung der Arbeit in den Kompetenzzentren erfolgt nach konkreten Wirkungszielen, die zu Beginn des Jahres für das Gesamtjahr definiert werden und deren Fortschritt in regelmäßigen Zyklen überprüft wird. Zur Sicherung des Fortschritts und der Qualität konkreter Outputs dienen Standards wie Checklisten und Workflows. Diese werden kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt. Die Überprüfung der Erreichung der intendierten Outcomes und Impacts erfolgt mittels qualitativer Instrumente in Form von Feedbackgesprächen, Befragungen und Interviews. 

Um eine detailliertere Einsicht in die Wirkung der Arbeit der Kompetenzzentren aus der Nutzendenperspektive zu erhalten, wurde von Juni bis Juli 2020 eine Befragung von Mitarbeitenden durchgeführt. Dabei wurde die Teilnahme an den Angeboten der Kompetenzzentren abgefragt und die Akzeptanz sozialer technologischer Innovationen bei den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden im DRK evaluiert. Dabei wurde nachgewiesen, dass die Teilnahme an einer Projektberatung und/oder -begleitung durch die Kompetenzzentren einen positiven Effekt auf die Akzeptanz sozialer technologischer Innovationen hat. Eine Begleitung und Beratung durch die Kompetenzzentren kann folglich die Bereitschaft und Offenheit gegenüber technologischen Innovationen und Digitalisierung wesentlich positiv beeinflussen.  

Es ist also notwendig, eine Struktur zu schaffen, durch die möglichst viele Gliederungen im DRK erreicht werden können. Durch den Aufbau der beiden Innovationsetzwerke soll es allen DRK-Gliederungen möglich sein, sich am Austausch rund um die digitale Transformation zu beteiligen und vom Angebot der Kompetenzzentren zu profitieren. Um einen flächendeckenden Effekt zu erzielen, soll die lokale Beratung vor Ort perspektivisch auch über die Vertreterinnen und Vertreter aus den Netzwerken realisiert werden. Die Kompetenzzentren widmen sich daher insbesondere der Koordination und der inhaltlichen Kuratierung der Netzwerke.  

Ein weiterer Schwerpunkt, der sich aus den bisherigen Erkenntnissen ergibt, ist die Entwicklung von konkreten Befähigungsformaten (z.B. Schulungen) und Tools (z.B. Leitfäden und Digitalisierungs-Toolkits) zur Umsetzung von Digitalprojekten. Dies soll dazu führen, dass auch dort Hilfestellung für Digitalisierungsprojekte erfolgt und abrufbar ist, wo keine persönliche Beratung und Begleitung stattfinden kann. 

Kontaktdaten und weitere Links  

Bettina Stuffer, Gesamtprojektkoordinatorin und Beraterin Digitale Wohlfahrt, b.stuffer@drk.de  

Webseite: https://drk-wohlfahrt.de/kompetenzzentren/ 

Twitter: https://twitter.com/Digital_im_DRK