Projekt ZWST

Ganzheitlicher Transformationsansatz und Blick in die Zukunft

Beschreibung

Mabat bedeutet auf Hebräisch „Blick“. Es ist ein Blick in die Zukunft unserer Gesellschaft, aber auch ein Blick in unsere Organisation, mit dem Ziel Veränderungsprozesse für zukünftige Perspektiven zu ermöglichen.

Die ZWST versteht Digitalisierung als Querschnittsaufgabe, die die Gesellschaft als Ganzes und ihre sozialen Akteur:innen in allen Arbeitsbereichen und Lebensrealitäten betrifft. Digitale Transformation zu ermöglichen ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, dessen sich die ZWST mit ihrer Digitalisierungsinitiative Mabat annimmt. Mit diesem Auftrag ist die ZWST bestrebt, ihre Mitgliedsorganisationen als Teil der Gesamtgesellschaft auf diesem zukunftsweisenden Weg zu begleiten.

Mabat unterstützt die jüdischen Gemeinden bei vielfältigen Digitalisierungsprozessen und ermöglicht so die digitale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, Senior:innen und Unterstützungsbedürftigen an gesellschaftlichen Entwicklungen. Die ZWST unterstützt die jüdischen Landesverbände und Gemeinden beim Ausbau ihrer Infrastruktur und durch die Vermittlung digitaler Kompetenzen an alle Generationen und in allen Sozialräumen.

Von Betroffenen zu Beteiligten – Der Mensch im Mittelpunkt der fortschreitenden Digitalisierung

Die ZWST widmet sich nach 2 Jahren erfolgreichen Infrastrukturaufbaus nun dem ganzheitlichen Transformationsprozess in ihren Mitgliedsorganisationen. Sie spricht in diesem Zusammenhang alle Bereiche ihrer Mitgliedsorganisationen an und „dreht an vielen „Stellschrauben“ des digitalen Veränderungsprozesses gleichzeitig. Der systemische Ansatz soll seine Wirkung besonders durch die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den Organisationen entfalten. Das Portfolio umfasst Angebote für haupt- und ehrenamtliche Multiplikatoren, Innovationsförderung sowie Wissens- und Trendvermittlung. Durch das Portfolio sollen alle Generationen und alle Zielgruppen der ZWST aktiv am Digitalisierungsprozess beteiligt werden.

Wirkung

Digitale Kompetenzen und Mindset fördern

Mit ihren Produkten und Formaten spricht die Digitalisierungsinitiative der ZWST nahezu alle Ebenen der Organisationen unter ihrem Dach an. Das neue Portfolio besteht derzeit aus sieben Elementen. Mit digitalen Tagungen und Briefings wird Wissen über digitale Standards und Trends in die Organisationen vermittelt. Dabei arbeiten wir mit und über unsere Referate, um möglichst viele unterschiedliche Zielgruppen der freien Wohlfahrt zu erreichen. Gleichzeitig richtet die ZWST eine Ressource zum eigenständigen Lernen ein, in der diverse Anwendungen und Handreichungen bereitgestellt werden. Parallel dazu findet kontinuierlich die Vermittlung von digitalen Kompetenzen und Skills statt. Von der ZWST ausgebildete „Digital Agents“ werden ihre Organisationen ehrenamtlich begleiten und das digitale Mindset als Bottom-Up Ansatz in diese hineintragen. Durch digitale Kanäle wie Facebook koordiniert der Verband digitale und analoge Unterstützung für Hilfesuchende. Durch Förderung von Zukunftsvisionen von Kindern und Jugendlichen werden Anreize für innovatives Denken geschaffen, um weitere Potentiale zu wecken. Einen Überblick gibt es hier: https://zwst.org/de/digitalisierung/

  • Wiederkehrende digitale Tagungen und Briefings bieten den Fach- und Führungskräften der Mitgliedsorganisationen die Möglichkeit, neue Entwicklungen der Digitalisierung in der Sozialwirtschaft mit Expert:innen zu diskutieren. Die Vermittlung von Wissen über Trends und Standards des digitalen Marktes sowie von Handlungsempfehlungen bildet einen wichtigen Schritt für eine digitale Strategieentwicklung.
  • Digitale Trainings richten sich an Mitarbeitende (haupt- und ehrenamtliche) in den Mitgliedsorganisationen der ZWST und bieten jeden zweiten Donnerstag im Rahmen von zweistündigen Online-Seminaren eine zeiteffiziente Möglichkeit, kurzfristige und mittelfristige Lösungen für Prozesse und Angebote in der eigenen Organisation zu erhalten. Die Workshops werden entsprechend den ermittelten Bedarfen „maßgeschneidert“ und haben einen direkten Bezug zur Praxis. Im Fokus stehen Kompetenzvermittlung sowie eine intensivere Vernetzung der Mitgliedsorganisationen, um Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen. Ca 250 Teilnehmende haben die Schulungen besucht und konnten das Gelernte direkt in ihre Arbeit mit vulnerablen Zielgruppen implementieren.
  • Hilfe zur Selbsthilfe ist eine digitale Ressource auf der Website der ZWST, die eine Auswahl von digitalen Anwendungen für Prozesse wie Kommunikation, Kollaboration und den digitalen Alltag der jeweiligen Zielgruppen anbietet. Darüber hinaus werden regelmäßig Handreichungen und Schulungsmaterial bereitgestellt. Mit dieser offenen Ressource erhalten alle Besucher:innen der Website gutes Basiswissen für die operative Umsetzung digitaler Formate.  
  • Digital Agents bildet im Rahmen eines 4-teiligen Programms ehrenamtlich Engagierte zu Begleiter:innen digitaler Transformationsprozesse aus. Der Ansatz orientiert sich am Modell der Change Agents. Die Digital Agents sollen sich mit Stakeholdern in ihrer Organisation vernetzen, digitales Denken vermitteln sowie  Workshops und Projekte in ihrem Netzwerk entwickeln und begleiten. Sie sind das Bindeglied zwischen der Digitalisierungsinitiative der ZWST und den Gemeinden. Die Digital Agents unterstützen die Mitgliedsorganisationen der ZWST darin, digitale Anwendungen, Formate und Prozesse an der Basis der Organisationen zu etablieren bzw. weiterzuentwickeln.
  • Förderung von Innovation: Mit der Digitalisierungsinitiative Mabat fördert die ZWST innovative Produkte und Projekte in ihren Mitgliedsorganisationen. Bei Bedarf gehört dazu auch die Begleitung bei der Ideenfindung und Umsetzung.  
  • Digitale Hilfe: Die ZWST betreibt über die sozialen Medien eine Freiwilligenplattform, wo Hilfesuchende und Freiwillige zusammenkommen. Des Weiteren nutzt die ZWST ihre Kanäle auf den Sozialen Medien, um Community orientiert auf sozialpolitische Entwicklungen aufmerksam zu machen und Informationszugänge zu schaffen. Insbesondere zu Anfang der Pandemie erwies sich dieser Kanal als äußerst wichtig, um schnell, mehrsprachig und niedrigschwellig mehrsprachig überprüfte Informationen zu Hygienemaßnahmen und dem Impfen bereitzustellen.
  • Kinder- und Jugendwettbewerb: Der ZWST ist es ein wichtiges Anliegen, die junge Generation in digitale und innovative Denkprozesse einzubeziehen. Mit dem Ideenwettbewerb „Reise in die Zukunft – Gemeinde2050digital“ hat der Verband Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, Zukunftsvisionen zu entwickeln.  

Digitalisierung bedeutet für die ZWST auch, gemeinsam zu lernen sowie Wissen und Ressourcen bereitzustellen. Deswegen möchten wir mit unseren Angeboten unsere Mitglieder und Kooperationspartner einladen, von diesen Erfahrungen und von unseren Ressourcen Gebrauch zu machen. Alle Produkte und Best Practice Empfehlungen werden auf unserer Website veröffentlicht und können leicht sowohl von unseren Mitgliedsorganisationen als auch von unseren Partnerorganisationen übernommen werden.

Ergebnisse

Digitale Teilhabe in Zeiten der Pandemie

Im Jahr 2020 und vor allem im Zuge der Pandemie hat die Digitalisierungsinitiative der ZWST durch Förderprogramme dafür gesorgt, dass die Infrastruktur als Grundvoraussetzung der Digitalisierung erweitert wird, denn digitale Teilhabe erfordert eine entsprechende technische Ausstattung. In Gemeinden und ihren Einrichtungen konnten W-Lan Anschlüsse eingerichtet sowie Endgeräte und Software für vulnerable Zielgruppen bereitgestellt werden. Gleichzeitig wurden Programme gefördert, die der Vermittlung digitaler Skills und der Entwicklung neuer digitaler Formate für die Zielgruppen der ZWST dienten, in erster Linie Senior:innen, Unterstützungsbedürftige sowie Kinder und Jugendliche.

Ende 2020 startete das ZWST-Akutprogramm zur Digitalen Teilhabe und Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche. Durch Bereitstellung von Endgeräten, Software sowie mit digitalen Bildungsinhalten und Bildungsformaten sollen die Kompetenzen der Zukunft vermittelt werden. Das Akutprogramm lässt rund 800 Kinder und Jugendliche in 30 Mitgliedsorganisationen an der Digitalisierung unserer Gesellschaft direkt teilhaben. Laptops und Tablets wurden dort bereitgestellt, wo sie fehlten, digitale Skills werden als Weiche für zukünftige Erfolge weitervermittelt. In der aktuellen Ausgabe von ZWST informiert finden sich Stimmen der Teilnehmenden (S.10).

Digitale Bildungsprogramme unterstützen die Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten der Pandemie, damit Kinder und Jugendliche den Anschluss nicht verlieren. Zwecks Qualitätssicherung in der Jugendarbeit haben die Jugend- und Gruppenleiter:innen in den Mitgliedsorganisationen der ZWST die Möglichkeit, im Bereich Digitale Bildung für sie entwickelte Schulungen zu erhalten. In diesen Schulungen werden Möglichkeiten vermittelt, Bildungsangebote digital zu gestalten sowie über Sicherheit im Netz und netzpolitische Phänomene aufgeklärt.

Gesellschaftliche Implikationen von Online-Trends & Netzpolitik

Seit 2019 richtet die Digitalisierungsinitiative Mabat ihr Augenmerk auch auf die gesellschaftliche Implikation von Online-Trends, einerseits weil Mitglieder der jüdischen Community sowohl im Offline- als auch im Onlineraum einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt sind, aber auch weil die Anfeindungen, die sie erleben, sich häufig als Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen herausstellt. Während dieser Bereich 2019 noch relativ allgemein auf das Thema “Hate Speech” ausgerichtet war, fokussierte er sich 2020 mit Beginn der Pandemie sehr eilig auf das Thema Verschwörungen. Hierzu wurden im März und April 2020 mehrere Live-Gespräche zu diesem Thema geführt. Die im November 2020 durchgeführte Tagung „Hass im Netz“ vertiefte die Thematik noch einmal sich mit unterschiedlichen Phänomenen wie Verschwörungserzählungen, Hassrede u.a. in den sozialen Medien. Dabei gingen Expert:innen insbesondere auf die Verstrickung von digitaler Gewalt, Rechtsextremismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus im digitalen Raum ein. Teilnehmende wurden für diese Phänomene sensibilisiert und hatten gleichzeitig die Gelegenheit, Strategien wie Gegenrede, rechtliche Schritte sowie Gestaltung eigener digitaler Räume zu entwickeln. Im Jahr 2021 befasst sich die ZWST vorwiegend mit dem Thema des Digitalen Gedenkens und der Frage danach, wie Wissenslücken bis hin zur Holocaustleugnung und –relativierung durch innovative digitale Formate entgegengewirkt werden kann. Viele der Vorträge und Gespräche können über den Youtube-Kanal der ZWST eingesehen werden.

Einsatz von Virtual Reality: Seit Ende 2020 erwägt die ZWST Möglichkeiten, Virtual Reality Anwendungen (Unterhaltungsprogramme) für unterstützungsbedürftige Kinder und Jugendliche einzusetzen, um sie aus der Einsamkeit in Zeiten der Pandemie rauszuholen. Mit einer virtuellen Reise, einer Safari oder einem Museumsbesuch möchte die ZWST sie in die große weite Welt mitnehmen. Derzeit testet Mabat einige VR Anwendungen und macht die zuständigen Multiplikator:innen fit für diesen Einsatz.

Auch im Spitzenverband wird die Digitale Kommunikation und Kollaboration weiter ausgebaut. Mit dem Relaunch der ZWST-Website sowie des Bildungsportals „Hadracha“ des Kinder-, Jugend- und Familienreferates der ZWST gestaltet sich die öffentliche Kommunikation barrierefreier und attraktiver für die jeweiligenZielgruppen. Durch den Einsatz von MS Teams nicht nur für interne Kollaboration, sondern auch mit Ehrenamtlichen und Partnern fördert der Verband den Austausch und den Wissenstransfer.  

Im Jahr 2021 ist es das Ziel der ZWST, dieses breite Spektrum an Digitalisierungsmaßnahmen sowohl im Spitzenverband als auch innerhalb seiner   Mitgliedsorganisationen erfolgreich zu implementieren und so möglichst viele Menschen in ihren Sozialräumen zu erreichen. Gleichzeitig sollen Kooperationen mit den Partnerorganisationen in der BAGFW und darüber hinaus ausgebaut und Expertise und Erfahrungen geteilt werden.